Lebensmittelsicherheit und Ernährung der Familien

Die aktuelle Definition der Ernährungssicherheit geht über den Zugang zu Lebensmitteln (d.h. die Bereitstellung von Lebensmitteln auf den Märkten) hinaus. Heutzutage bezieht die Ernährungssicherheit mit ein, dass die Ernährung gesund und komplett sein sollte. Dabei wird die Qualität der Ernährung nicht nur über den Kaloriengehalts sondern auch die Anzahl der notwendigen Vitamine und Proteine bewertet. Um die Ernährungssicherung zu gewährleisten ist es notwendig, dass alle notwendigen Nahrungsmittel auf nationaler als auch auf Ebene der Gemeinden das ganze Jahr über der Bevölkerung zur Verfügung stehen. Außerdem sollten die Familien nicht nur physischen und wirtschaftlichen Zugang zu einer ausreichenden Menge, Qualität und Auswahl von Nahrungsmitteln haben sondern auch die privaten und öffentlichen Zulieferer die Zeit, Kenntnisse und Motivation haben, um sicherzustellen, dass die Ernährungsbedürfnisse aller Familienmitglieder befriedigt werden.

Es ist von entscheidender Bedeutung zu verstehen, welchen Beitrag die Gemeindegärten zu beiden Aspekten der Ernährungssicherung (Zugang und Qualität) leisten können. Der Zugang zu Lebensmitteln ist eine Bedingung der Ernährungssicherung. Die heutige Welt verfügt, abgesehen von wenigen Ausnahmen (verursacht durch Dürren, Kriege bzw. aufgrund von ungleicher Verteilung), über ausreichend Lebensmittel um alle Menschen – in ländlichen und städtischen Gebieten – zu versorgen. Auf der anderen Seite haben nicht alle Bevölkerungsschichten einen guten Zugang zu diesen Nahrungsmitteln. Gerade den ärmsten Bevölkerungsschichten ist dieser Zugang oftmals nicht gewährt.

Häufig wird der größte Teil der in städtischen Gebieten produzierten Nahrungsmitteln von den dort ansässigen Produzenten oder den nahe gelegen Familien konsumiert. Die Gemeindegärten liefern Nahrungsmittel und verringern deren Preisniveau, besonders während der Haupterntezeiten. In den Zeiten der Nahrungsmittelknappheit oder beim Ausfall der Transport- und Vertriebskanäle, werden die Ergänzungsprodukte der Gemeindegärten zur wichtigsten Nahrungsmittelquelle für die städtischen Konsumenten.

Eine gesunde Ernährung fordert eine geeignete Kombination von Mikro- und Markonährstoffen um die Bedürfnisse einer jeden Person einer Familie zu erfüllen.

Zwei Ursachen sind hauptverantwortlichen dafür, dass die Stadtbewohner keine gesunde Ernährung genießen können: Armut und das Fehlen von frischen Produkten. Arme Familien können es sich nicht leisten regelmäßig frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse zu kaufen, die für die Gesundheit essentielle Mikronährstoffe enthalten.

Gerade für Kindern sind diese Mikronährstoffe besonders wichtig. Aber selbst weniger arme Stadtbewohner können Schwierigkeiten haben ausreichende Mengen an Früchten und Gemüse zu finden. Wenn die Versorgungskanäle aus dem Lande in die Städte nicht gut ausgebaut sind, dann sind diese Produkte generell knapp und demenstprechend teuer. Die hochwertigen Nahrungsmittel, die in den Gemeindegärten produziert werden, lindern die Unterernährung armer Haushalte und können somit entscheidend zur häuslichen Ernährungssicherung beitragen.

Die ortsnahe Produktion qualitativer Lebensmittel macht diese für die Konsumenten armen Bevölkerungsschichten zugänglicher. Die Arbeitsplätze und die Einkommen, die durch die Gemeindegärten geschaffen werden bieten auch ein Potential um die Ernährungssicherung zu erhöhen. Der Haupteffekt ist die Arbeitsplatzschaffung für die Produzenten und Familienangehörigen, wenn diese auch oftmals nicht finanziell entlohnt wird.

Das Ziel des Projektes ist es unter anderem die Produzenten zu animieren nach alternativen Vertriebs- und Wertschöpfungsmöglichkeiten zu suchen, damit sie auf diese Weise für ihre Arbeit finanziell entlohnt werden können.

Nachweis des Beitrages der Gemeindegärten zur Ernährungssicherung der Haushalte

Die Gemeindegärten reduzieren die Ernährungsunsicherheit in dem Masse, dass der Zugang der armen Bevölkerungsschichten zu Lebensmitteln erhöht wird – besonders zu frischen und nährreichen Lebensmitteln – sei es direkt durch die Selbstversorgung oder aufgrund des erhöhten Einkommens durch den Verkauf der Produktion.

Da arme Familien zwischen 60-80% ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben, tragen beide Optionen einen wichtigen Beitrag zum Wohlstand der Familien bei. Außer diesen Nachweisen heben wir folgendes hervor:

  • die Familien die Nahrungsmittel anpflanzen sind unabhängiger von den nationalen und regionalen    Grundnahrungsmittelspendenprogrammen
  • die städtische Nachfrage nach frischen und verderblichen Nahrungsmitteln wird besser durch die    städtische und gemeindliche Produktion versorgt als durch die ländliche
  • die städtischen Produzenten konsumieren mehr Gemüse als die ländlichen Produzenten und die    Verbraucher höherer sozialer Schichten
  • die Vorteile sind grösser für die Familie wenn Frauen unter Produzenten zu finden sind.

Die armen Familien können in dem Projekt der Gemeindegärten nützliche Strategien für die Entwicklung ihres Wohlstandes, zu unterschiedlichen Bedingungen finden. Um die grösste Rendite für ihrer Investitionen in die landwirtschaftlichen Tätigkeiten zu erzielen, brauchen sie Zugang zu Basismitteln (Grundressourcen), technische Unterstützung und was besonders wichtig ist ein Umfeld von politische Massnahmen, die die Produzenten unterstützt. So ein Umfeld sollte folgende Elemente berücksichtigen:

  • Regeln für die Benutzung des Bodens zum Schutz der Betreiber der Gemeindegärten
  • Identifizierung und Erleichterung der Distribuition und des Vertriebs in der Art, dass die Armen    Zugang zu den Produkten haben, sowohl als Produzenten als auch als Konsumenten.

Vorteile der Gemeindegärten für die Stadt

  1. Schaffung von Einnahmequellen für die Produzenten;
  2. Schaffung von städtischen Arbeitsplätzen;
  3. Aufnahme der aus dem Land eingewanderten Arbeitskräfte;
  4. Aufnahme junger Arbeitskräfte;
  5. Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen;
  6. Ernährungssicherung;
  7. Recycling von häuslichen und städtischen Abfällen;
  8. Recycling von Regenwasser;
  9. Bereitstellung von frischen und billigeren Lebensmitteln;
  10. Bereitstellung von Proteinen;
  11. Verbesserung der städtischen Umwelt;
  12. Aufwertung städtischen Erscheinungsbildes;
  13. Entstehung einer Agroindustrie (mehr Arbeitsplätze);
  14. Freude am Pflanzen und Züchten;
  15. Arbeit bzw. Freude für Ruheständler.

Mögliche Projekte zur Einkommensschaffung

  1. Produktion von Grünpflanzen und Gemüse für die Lieferung in Natur
  2. Produktion von Grünpflanzen und Gemüse für die einfache Verarbeitung
  3. Produktion von Gemüse für Konserven
  4. Planung einer häuslichen Produktion mit Restaurantes
  5. Produktion von Zierpflanzen und Blumen
  6. Produktion von Setzlingen heimatlicher Arten für die Wiederaufwertung des natürlichen Raumes und städtische Bewaldung,
  7. Produktion von Konserven wie Tomatenpure, Gurken und trocken Tomaten

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